Porto: 48 Stunden mit Portwein, Azulejos und Francesinha

Porto: 48 Stunden mit Portwein, Azulejos und Francesinha

Liam O'Connor

March 17, 2025

5 min read· 54 views
Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich am Bahnhof São Bento aus dem Zug stieg und mich die blau-weißen Azulejos sofort in Portos Erzählung hineinzogen. Diese Kacheln sind eine Kunstform für sich und zeigen historische Szenen, die wirken wie eine Spur aus Brotkrumen direkt ins Herz der Stadt. Porto ist nicht einfach ein Ort, den du besuchst; es ist eine Stadt, die du Schicht für Schicht entdeckst – mit Neugier und einer gewissen Sturheit, nicht den offensichtlichen Wegen zu folgen.

Tag eins: Abtauchen in Ribeira und Azulejos

Vom Morgen bis zum Nachmittag - authentischer Charme am Fluss

Ribeira, das Viertel am Ufer des Douro, ist im besten Sinne ein Fest für die Sinne. In der Luft liegt der salzige Hauch des nahen Atlantiks, vermischt mit dem süßen Duft gerösteter Kastanien von den Straßenständen. Du hörst portugiesische Gesprächsfetzen, das Klirren von Gläsern und hin und wieder Gitarrenklänge von jemandem, der auf einer sonnenfleckigen Bank sitzt.
Ein beeindruckender Blick auf das kunstvoll gestaltete Innere des Bahnhofs São Bento in Porto, Portugal, mit seinen dekorativen Fliesen.

Bahnhof São Bento

Die erste Station für jeden Porto-Entdecker, berühmt für seine 20.000 Azulejos, die Szenen aus der portugiesischen Geschichte zeigen. Gehen Sie nicht einfach nur durch – bleiben Sie stehen und lassen Sie die Geschichten in Kobaltblau auf sich wirken.

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Vom São Bento sind es nur ein paar Minuten zu Fuß bis zur Uferpromenade. Die pastellfarbenen Häuser, die sich wie alte Freunde aneinanderlehnen, und die Wäsche, die über den Köpfen flattert, ergeben ein Postkartenmotiv wie aus dem Bilderbuch. Hier kannst du dir im Café Vitória an der Rua do Infante D. Henrique einen Kaffee holen – der Espresso ist kräftig genug, um jeden Jetlag zu vertreiben.

Gut zu wissen

Die Cafés an der Rua do Infante öffnen gegen 8 Uhr morgens und schließen am späten Nachmittag – ideal für einen frühen Stadtkick, bevor die Hitze zuschlägt.

Als Nächstes steht die Livraria Lello an der Rua das Carmelitas auf dem Programm: eine so prachtvolle Buchhandlung, dass sie dich womöglich davon abhält, überhaupt Bücher zu kaufen. Ihre neugotische Fassade, die geschwungene Treppe und das Buntglas-Oberlicht sind pures Drama. Achtung: Meist gibt es eine Schlange, und der Eintritt von 5 € wird angerechnet, wenn du ein Buch kaufst.
Aufwendig gestaltete Holztreppe in einer historischen Bibliothek in Porto, die zeitlose Architektur zeigt.

Livraria Lello

Eine Kathedrale für Buchliebhaber und Architekturbegeisterte gleichermaßen. Die Treppe in diesem Buchladen wirkt wie eine Szene aus einem Harry-Potter-Film – es heißt, JK Rowling habe diesen Ort während ihres Aufenthalts in Porto besucht.

Gegen Mittag können die verwinkelten Gassen der Altstadt zur Hitzefalle werden. Zeit, dich Richtung Cais de Gaia aufzumachen und die Luís-I.-Brücke zu überqueren – am besten über das obere Deck, denn dort hast du einen grandiosen Blick auf die Stadt und den sich darunter schlängelnden Fluss.

Schon gewusst?

Die Luís-I.-Brücke wurde von einem Schüler Gustave Eiffels entworfen und 1886 fertiggestellt – und sie hält dem wirbelnden Douro bis heute stand.

Tag eins am Nachmittag: Portweinkeller in Vila Nova de Gaia

Die flüssige Goldseite der Stadt verkosten

Auf der Seite von Vila Nova de Gaia verändert sich der Duft: Er wird zu Fässern mit reifendem Portwein, süß, schwer und mit Noten von Karamell und Trockenfrüchten. Hier schlägt das Herz der Stadt, und Keller wie Cálem, Graham’s und Taylor’s bieten Führungen und Verkostungen an. Ich würde dir empfehlen, eine geführte Verkostung zu buchen – es hat etwas Magisches, die Feinheiten des Portweins zu lernen und dabei auf die Skyline von Porto zu schauen.

Wichtige Tipps für Portweinkeller

  • 1

    Im Voraus buchen - Beliebte Keller sind schnell ausgebucht, besonders im Sommer.

  • 2

    Eine Verkostungstour wählen - Die paar Euro extra lohnen sich für fachkundige Begleitung und mehrere Portweine.

  • 3

    Bequeme Schuhe tragen - Die Keller sind oft ein Labyrinth und haben steile Treppen.

Die Führungen laufen meist von 10 bis 18 Uhr und kosten je nach Anzahl der enthaltenen Verkostungen zwischen 10 € und 20 €. Graham’s hat einen besonders stimmungsvollen Keller mit einer Terrasse, die sich perfekt zum Genießen und Leute-Beobachten eignet.

Abend: Sonnenuntergang und Francesinha

Sonnendurchflutete Ausblicke und Portos dekadentestes Gericht

Am Ende des ersten Tages gehst du zurück über den Fluss zum Jardim do Morro. Dieser Garten am Hang ist ein erstklassiger Sonnenuntergangsplatz. Mach es dir auf einer der Steinbänke oder auf den grasigen Hängen mit einem Glas gekühltem weißen Port bequem. Die Stadt – mit ihren ziegelgedeckten Dächern, der Silhouette des Clérigos-Turms und dem sanft dahinfließenden Fluss – wird im sinkenden Licht golden.
Paar genießt einen sonnigen Tag im Jardim do Morro in Porto, Portugal, mit Blick auf die Stadt.

Jardim do Morro

Ein Lieblingsort bei Einheimischen und Besuchern gleichermaßen, wegen des unschlagbaren Ausblicks auf Porto und Gaia, besonders während der goldenen Stunde. Vergessen Sie nicht, eine Decke mitzunehmen, wenn Sie länger bleiben möchten.

Hungrig? Dann ist jetzt der Moment für eine Francesinha – den Schwergewichts-Champion unter Portos Gerichten. Dieses Ungetüm ist ein Sandwich, üppig geschichtet mit gepökeltem Fleisch, Steak und Wurst, überzogen mit geschmolzenem Käse und übergossen mit einer scharfen Tomaten-Bier-Sauce. Das Café Santiago an der Rua de Passos Manuel ist eine feste Größe für Francesinha-Fans. Rechne mit etwa 10–12 € für diesen herzgefährdenden Genuss.

Francesinha-Etikette

Am besten mit Messer und Gabel angehen, wenn du keine Soßenkatastrophe riskieren willst. Und stell dich darauf ein, dass dein Abendessen danach ausfällt – die Francesinha übernimmt den Rest des Tages.

Tag zwei: Architektur, Märkte und versteckte Ecken

Vom Morgen bis zum Nachmittag - noch mehr Schichten von Porto

Starte den zweiten Tag im Mercado do Bolhão, einer Markthalle, die nach frischem Fisch, reifen Orangen und erdigen Kräutern riecht. Das ist ein Rückgriff auf den alten Handel, bei dem Händler freundlich grüßen und Kundinnen und Kunden um den besten Fang feilschen. Das Gebäude selbst ist ein Vergnügen: Die Eisenkonstruktion und die Glasarchitektur verweisen auf den Industrieoptimismus eines vergangenen Jahrhunderts.
Malersicherer Blick auf historische Gebäude in Porto bei klarem blauem Himmel.

Mercado do Bolhão

Obwohl Renovierungen die Händler vorübergehend verlegt haben, bleibt der Geist dieses Marktes lebendig. Wenn Sie an einem Samstagmorgen vorbeischauen, erleben Sie das volle Treiben des lokalen Lebens.

Danach schlenderst du durch die nahegelegenen Straßen und bewunderst die Kachelmuster, die viele Fassaden schmücken. Verpass nicht die Capela das Almas an der Rua de Santa Catarina, wo die leuchtend blauen Azulejos Szenen aus dem Leben der Heiligen erzählen. Ich bin um die Ecke zufällig auf ein kleines Café gestoßen – das Café Guarany –, wo die Einrichtung der 1950er-Jahre und leiser Jazz von Vinyl die perfekte Pause am späten Vormittag ergaben.
Am Nachmittag lohnt sich ein Besuch in der Casa da Música, Portos ultramodernem Konzerthaus. Es ist ein brutalistisches Spektakel aus scharfen Kanten und Betonflächen und bildet einen starken Kontrast zum historischen Kern der Stadt. Du kannst eine Führung buchen (10 €) oder, wenn das Timing passt, eine Vorstellung mitnehmen.

Unterwegs in Porto

Portos kompaktes Zentrum lässt sich gut zu Fuß erkunden, aber Straßenbahnen und Metro sind praktisch, wenn deine Beine eine Pause brauchen. Tagestickets gibt es ab etwa 7 € für unbegrenzte Fahrten.

SehenswürdigkeitEintrittÖffnungszeitenOrt
Livraria Lello5 € (anrechenbar)9:30–19:00 UhrRua das Carmelitas, 144
Portweinkeller (z. B. Graham's)10–20 €10:00–18:00 UhrUfer von Vila Nova de Gaia
Mercado do BolhãoKostenlos7:00–15:00 UhrRua Formosa, 214
Casa da Música10 € (Führung)10:00–18:00 UhrAv. da Boavista, 604–610

Abschließende Gedanken

Portos Persönlichkeit in 48 Stunden

Porto fühlt sich an wie eine Stadt, die ihre Geschichte offen trägt und dich gleichzeitig mit modernem Selbstbewusstsein anblinzelt. Es ist ein Ort der Gegensätze: raue Granitstraßen neben glänzenden Weinkellern, jahrhundertealte Kacheln neben mutiger zeitgenössischer Architektur. Zwei Tage kratzen nur an der Oberfläche, aber sie hinterlassen Durst – nach Portwein, nach einer weiteren Francesinha und nach einer Rückkehr. Mein Rat? Komm ohne große Erwartungen, gönn dir ein paar Umwege und hetze nicht durch die Sonnenuntergänge.

Liams Insider-Tipps

  • 1

    Ein paar portugiesische Wörter lernen - Ein einfaches „obrigado“ (Danke) wirkt Wunder.

  • 2

    Bargeld dabeihaben - In manchen kleineren Bars und auf Märkten wird noch ganz altmodisch nur bar bezahlt.

  • 3

    Timing ist alles - Besuche Portweinkeller am Vormittag und Märkte früh, um den größten Andrang zu vermeiden.

Liam O'Connor

Reiseredakteur bei Vitano Magazine