
Höhle von Karain
Mediterranean Region
Die Höhle von Karain liegt nahe Antalya in der Mittelmeerregion der Türkei und zählt zu den größten natürlichen Höhlen des Landes. Gleichzeitig ist sie eine bedeutende archäologische Fundstätte. Sie befindet sich 430 Meter über dem Meeresspiegel an der Ostflanke des Sam Dağı. Das Höhlenkomplex besteht aus drei großen Hauptkammern, die durch schmale Passagen miteinander verbunden sind. Besonders faszinierend sind die zahlreichen Sinterbildungen (Sinter/„Speleotheme“) wie Sinterfahnen (Stalaktiten) und Sinterstufen (Stalagmiten), die sich über hunderte Tausend Jahre gebildet haben. Archäologische Hinweise sprechen für eine durchgehende menschliche Besiedlung vom Unterpaläolithikum bis in die römische Zeit. Zu den Funden zählen Feuerstein-Klingen, Schaber und Knochenplastiken, die in geschichteten Schichten gefunden wurden – bis zu 11 Meter Tiefe. Ein besonders bemerkenswerter Fund ist ein Fragment eines Neandertaler-Schädels, das eine Besiedlung zwischen 150.000 und 200.000 Jahren belegt. Die Höhle enthält außerdem griechische Inschriften und Verzierungen, die auf eine religiöse Funktion in der Eisenzeit und in römischer Zeit hindeuten – möglicherweise im Zusammenhang mit der Verehrung einer Berggöttin. Bei Ausgrabungen zeigten sich außerdem kulturelle Verbindungen zu benachbarten anatolischen und levantinischen Kulturen, die unter anderem durch steinzeitliche figürliche Darstellungen und ein geschnitztes menschliches Gesicht belegt werden – ähnlich der Natufian-Kunst. Heute sind viele Funde aus Karain im Karain Museum und im Antalya Museum ausgestellt. Die Höhle von Karain bietet Besuchern einen einzigartigen Einblick in die frühe Menschheitsgeschichte und ins natürliche Erbe Anatoliens – und verbindet archäologische Bedeutung mit spektakulären geologischen Formationen.
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Tipp: Die Höhle ist täglich von 8:00 bis 17:00 Uhr geöffnet, wobei die Kasse um 16:30 Uhr schließt. Besucher sollten Tickets am besten im Voraus kaufen oder die Müzekart nutzen – sie wird für türkische Staatsbürger akzeptiert – um Zugang zu erhalten. Am besten besucht man die Höhle in den kühleren Morgenstunden, um Mittagshitze und Menschenmassen zu vermeiden. Aufgrund des unebenen Geländes innerhalb der Höhle werden bequeme Wanderschuhe empfohlen. Geführte Touren werden angeboten, um das Erlebnis mit fundierten archäologischen Einblicken zu bereichern. In einigen Bereichen kann das Fotografieren eingeschränkt sein – daher unbedingt die vor Ort geltenden Regeln prüfen. In der Nähe ausgestellte Museen zeigen viele der in der Höhle gefundenen Artefakte und machen den Besuch so noch interessanter.
Interessante Fakten
- •Die Höhle von Karain beherbergt eine der frühesten bekannten Neandertaler-Überreste in Anatolien, datiert auf etwa 150.000 bis 200.000 Jahre.
- •In der Höhle gibt es eine 11 Meter tiefe Kulturschicht, die eine durchgehende menschliche Besiedlung vom Unterpaläolithikum bis in die römische Zeit dokumentiert.
- •Im Höhlenmaterial wurden Tierreste wie Nashorn, Elefant und Nilpferd entdeckt – Arten, die heute in Anatolien nicht mehr vorkommen.
- •Griechische Inschriften an der Außenseite der Höhle zeigen, dass sie in der Eisenzeit und in römischer Zeit für religiöse Zwecke genutzt wurde.
- •Einige Funde aus Karain weisen stilistische Verbindungen zur Natufian-Kultur des Levante auf – ein Hinweis auf antiken Handel oder kulturellen Austausch.
Geschichte
Die Besiedlung der Höhle von Karain reicht bis in das Unterpaläolithikum zurück: Hinweise auf menschliches Leben gibt es etwa seit 500.000 Jahren.
Die Entdeckung eines Fragmentes eines Neandertaler-Schädels belegt eine frühe menschliche Präsenz zwischen 150.000 und 200.000 Jahren.
Über Jahrtausende hinweg wurde die Höhle durchgehend bewohnt – vom Mesolithikum über das Neolithikum, das Chalkolithikum bis hin zu den Bronzezeiten.
In der Eisenzeit deuten griechische Inschriften an der Außenseite der Höhle darauf hin, dass sie eine religiöse Funktion hatte.
In der römischen Zeit belegen Votivinschriften religiöse Praktiken, die möglicherweise einer Berggöttin gewidmet waren.
Ausgrabungen im 20.
und 21.
Jahrhundert haben umfangreiche Kulturschichten und Artefakte zutage gefördert und unterstreichen damit die Bedeutung der Höhle für das Verständnis der prähistorischen und historischen Epochen Anatoliens.
Ortsführer
Hauptkammern und Korridore
Die Höhle besteht aus drei großen Kammern, die durch Kalksteinwände voneinander getrennt sind und über schmale Passagen miteinander verbunden werden. Besucher können diese weiten Hallen erkunden, in denen beeindruckende Speleotheme zu finden sind – darunter Stalaktiten und Stalagmiten, die sich über hunderte Tausend Jahre gebildet haben.
Fundort des Neandertaler-Schädelscirca 150,000-200,000 years ago
Der Ort innerhalb der Höhle, an dem ein Fragment eines Neandertaler-Schädels entdeckt wurde – ein Beleg dafür, dass Menschen in der frühen Altsteinzeit zwischen 150.000 und 200.000 Jahren hier lebten.
Felsritzungen und griechische InschriftenIron Age and Roman period
Ritzungen und Inschriften an den Außenwänden der Höhle, die aus der Eisenzeit und der römischen Zeit stammen, deuten darauf hin, dass die Höhle für religiöse oder rituelle Zwecke genutzt wurde – möglicherweise im Zusammenhang mit der Verehrung einer Berggöttin.
Ausstellungsstücke im Karain Museum
Das benachbarte Karain Museum beherbergt viele der aus der Höhle ausgegrabenen Artefakte – darunter Stein- und Knochengeräte, Perlen sowie frühe Kunstwerke aus Anatolien. So bekommen Besucher eine gute Einordnung und Interpretation der Funde.
Kontakt
Telefon: (0242) 423 13 34