
Wehrkirche Biertan
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Die Wehrkirche Biertan im Kreis Sibiu in Rumänien ist ein eindrucksvolles Zeugnis für die Einfallsreichtum und Widerstandskraft der Gemeinschaft der Siebenbürger Sachsen. Die zwischen 1486 und 1524 errichtete Anlage steht an der Stelle einer älteren romanischen Kirche. Als spätgotische Hallenkirche besitzt sie drei gleich hohe Schiffe mit Kreuzrippengewölben und einen 18 Meter langen Chor. Die Kirche ist der Jungfrau Maria gewidmet und zeigt renaissancezeitliche Akzente – besonders das Polyptychon-Altargemälde mit 28 Tafeln, das zwischen 1482 und 1513 von einem Künstler geschaffen wurde, der vermutlich in Wien und Nürnberg ausgebildet wurde. Die Sakristeitür ist berühmt für ihr kunstvolles Schließsystem, das Wertsachen mit dreizehn Verschlusspunkten sichert – eine Besonderheit, die auf der Weltausstellung 1889 in Paris präsentiert wurde. Anders als bei den typischen Stadtbefestigungen gingen die Sachsen dazu über, ihre Kirchen zu befestigen. Biertan ist von drei Verteidigungsgürteln mit neun Torbastionen umgeben, die aus dem 14. bis 17. Jahrhundert stammen. Das gesamte Ensemble umfasst außerdem einen Uhrturm, einen hölzernen Glockenturm, einen Mausoleums-Turm mit Grabplatten der Bischöfe sowie einen katholischen Turm mit seltenen Wandmalereien aus dem 16. Jahrhundert. Eine besondere Attraktion ist das „Ehegefängnis“: Paare, die über eine Scheidung nachdachten, wurden gemeinsam eingesperrt, um ihre Entscheidung noch einmal zu überdenken – von der Praxis kam es über drei Jahrhunderte hinweg nur sehr selten tatsächlich zu einer Scheidung. Die Kirche überstand Besetzungen, Raubüberfälle und Schäden durch ein Erdbeben, blieb jedoch als Kulturdenkmal erhalten und gehört zum UNESCO-Welterbe der siebenbürgisch- sächsischen Wehrdörfer.
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Tipp: Besuchen Sie die Anlage im Frühling oder im frühen Herbst für angenehmes Wetter und weniger Publikum. Es empfiehlt sich, geführte Touren im Voraus zu buchen, damit Sie die Geschichte und Architektur der Kirche in vollem Umfang genießen können. Besucher können die Befestigungen und das einzigartige Ehegefängnis entdecken. Für Gruppen, Schüler/Studenten oder Senioren können Ermäßigungen verfügbar sein. Prüfen Sie vor der Planung die lokalen Öffnungszeiten und die Verfügbarkeit.
Interessante Fakten
- •Das Schließsystem der Sakristeitür sichert die Tür an dreizehn Punkten und wurde auf der Weltausstellung 1889 in Paris gezeigt.
- •Das „Ehegefängnis“ der Kirche hielt Paare, die sich scheiden lassen wollten, zwei Wochen lang fest, um ihre Entscheidung zu überdenken – in drei Jahrhunderten wurde nur eine Scheidung dokumentiert.
- •Der Uhrturm fungiert als Verteidigungstor und ist vier Stockwerke hoch; er besitzt einen hölzernen Wehrgang und Zinnen.
- •Der katholische Turm enthält seltene Wandmalereien aus dem 16. Jahrhundert – eine Ausnahme bei der sonst eher schlichten Ausgestaltung der Kirchen der Siebenbürger Sachsen.
- •Biertan war fast 300 Jahre lang Sitz der Sächsisch-Lutherischen Kirche, von 1572 bis 1867.
Geschichte
Die Siebenbürger Sachsen gründeten Biertan im mittelalterlichen Königreich Ungarn.
Die Ortschaft entwickelte sich zu einem bedeutenden Marktort und war von 1572 bis 1867 Sitz der Sächsisch-Lutherischen Kirche.
Die heutige Wehrkirche wurde zwischen 1486 und 1524 auf einem älteren romanischen Fundament errichtet.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Kirche in drei Bauphasen befestigt, um sich gegen die Bedrohung durch die Osmanen zu schützen – mit mehreren Mauern und Türmen.
Während des Ungarnfeldzugs von Rákóczi in den Jahren 1704 erlebte die Kirche Besetzung und Raub.
Im Erdbeben von 1977 in Vrancea wurde sie beschädigt.
Die Restaurierungsarbeiten fanden von 1983 bis 1989 statt.
1993 wurden Kirche und Dorf als Teil der „Siebenbürgisch-sächsischen Wehrkirchen“ in die UNESCO-Liste des Welterbes aufgenommen.
Ortsführer
Haupt-Hallenkirche1486-1524
Eine spätgotische Hallenkirche mit drei gleich hohen Seitenschiffen und Kreuzrippengewölben, mit einem 18 Meter langen Chor, der der Jungfrau Maria gewidmet ist.
Polyptychon-Altargemälde1482-1513
Ein aufwendig gestalteter Altar mit 28 gemalten Tafeln, geschaffen zwischen 1482 und 1513 von einem Künstler, der vermutlich in Wien und Nürnberg ausgebildet wurde. Dargestellt sind biblische Szenen und Figuren wie etwa Ezechiel und Augustus.
Sakristeitür und SchließsystemFrühes 16. Jahrhundert
Eine reich verzierte Intarsien-Tür mit einem komplexen Schließmechanismus, der die Tür an dreizehn Punkten sichert – so konzipiert, dass wertvolle kirchliche Gegenstände geschützt werden.
Befestigungen und Torbastionen14.-17. Jahrhundert
Drei Reihen von Verteidigungsmauern mit neun Torbastionen, die im 14. bis 17. Jahrhundert errichtet wurden. Sie sollten Kirche und Dorf vor Einfällen der Osmanen schützen.
Ehegefängnis16.-19. Jahrhundert
Eine einzigartige „Unterbringungsstätte“, in der Paare, die sich scheiden lassen wollten, bis zu zwei Wochen gemeinsam eingesperrt wurden, um ihre Ehe noch einmal zu überdenken – mit einem gemeinsamen Bett und gemeinsamen Utensilien.
Katholischer Turm und Wandmalereienca. 1520-1530
Ein Turm, den die Minderheit der römisch-katholischen Sachsen nutzte. Er verfügt über eine Kapelle mit seltenen Wandmalereien aus dem 16. Jahrhundert aus Siebenbürgen – im Kontrast zum typischen, eher nüchternen Stil.
Kontakt
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