
Kirche Santa Maria dos Olivais
Santarém
Die Kirche Santa Maria dos Olivais in Tomar, Portugal, ist ein bemerkenswertes Beispiel für die frühe Gotik mit bedeutenden historischen Verbindungen zu den Tempelrittern und dem Orden von Christus. Ursprünglich in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts von Gualdim Pais, dem Provinzmeister der Tempelritter, gegründet, diente sie als Begräbnisstätte für Templermeister und später für den Orden von Christus. Die heutige Bausubstanz geht vor allem auf eine Rekonstruktion aus dem 13. Jahrhundert zurück. Zu sehen sind unter anderem ein prächtiges Rosettenfenster an der Hauptfassade, ein schlichter Portalbau mit mehreren Archivolten sowie ein frei stehender Glockenturm. Im Inneren zeigt sich eine eher einfache Anlage: Drei Seitenschiffe, die von einem hölzernen Dach bedeckt sind, und im Hauptchor ein gotisches Kreuzrippengewölbe. Besonders hervorzuheben sind künstlerische Elemente wie eine polychromierte Statue der Maria mit dem Kind aus dem frühen 16. Jahrhundert sowie das Renaissance-Grabmonument von Diogo Pinheiro, dem ersten Bischof von Funchal. Zudem besitzt die Kirche eine historische Bedeutung als geistiger Sitz: Papstbullen verliehen ihr die Autorität über Kirchen in portugiesischen Überseegebieten. Trotz Umbauten und Restaurierungen im Laufe der Jahrhunderte bewahrt die Kirche ihren gotischen Charakter und ist bis heute nationales Denkmal sowie ein Symbol für die portugiesische mittelalterliche religiöse und militärische Geschichte.
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Tipp: Besucher sollten in Erwägung ziehen, unter der Woche zu kommen, um Menschenmengen zu vermeiden und eine ruhigere Atmosphäre zu genießen. Frühling und Herbst bieten angenehmes Wetter, um die Kirche und ihre Umgebung in Ruhe zu erkunden. Es empfiehlt sich, die Öffnungszeiten im Voraus zu prüfen und geführte Touren einzuplanen, um die historischen und architektonischen Details wirklich zu würdigen. Tickets lassen sich oft leichter im Voraus erwerben, und möglicherweise gibt es Ermäßigungen für Studierende, Senioren oder Gruppen.
Interessante Fakten
- •Die Kirche diente als Begräbnisstätte für die Meister der Tempelritter – darunter Gualdim Pais. Seine Grabplatte von 1195 mit einer gotischen Inschrift ist bis heute innen erhalten.
- •Eine Papstbulle von Papst Callixtus III. aus dem Jahr 1455 machte die Kirche zur Mutterkirche für alle Kirchen in den portugiesisch entdeckten Gebieten in Asien, Afrika und Amerika.
- •Das Rosettenfenster an der Hauptfassade ist ein herausragendes Beispiel für gotisches Maßwerk und wird auf der Ostseite des Kirchenschiffs durch ein Rosettenfenster ergänzt, das die Form eines Pentagramms hat.
- •Das Grabmonument von Diogo Pinheiro, dem ersten Bischof von Funchal, ist ein hervorragendes Renaissancewerk aus dem Jahr 1525, das João de Ruão zugeschrieben wird.
- •Ausgrabungen in der Nähe der Kirche legten Reste der antiken römischen Stadt Sélio frei – darunter Fundamente und Straßen – und unterstreichen damit die lange historische Bedeutung des Ortes.
Geschichte
Die Kirche Santa Maria dos Olivais wurde um 1160 von Gualdim Pais, dem Meister der Tempelritter in Portugal, an der Stelle eines ehemaligen benediktinischen Klosters gegründet, das bis ins 7.
Jahrhundert zurückreicht.
In der zweiten Hälfte des 13.
Jahrhunderts wurde sie während der Herrschaft von König Afonso III.
umfangreich neu aufgebaut und übernahm dabei den heute sichtbaren Stil der frühen Gotik.
Die Kirche diente als Hauptsitz des Templerordens in Portugal und später des Ordens von Christus, nachdem die Tempelritter 1314 aufgelöst worden waren.
Im 15.
Jahrhundert stellten Papstbullen die Kirche unter die direkte Autorität des Papstes und verliehen ihr die Gerichtsbarkeit über Kirchen in portugiesischen Überseegebieten – ein Hinweis auf ihre Bedeutung in der Zeit der Entdeckungen.
Weitere Restaurierungen im 16.
und 20.
Jahrhundert bewahrten und ergänzten die gotischen Merkmale, während zugleich Elemente der Renaissance und des Manierismus hinzukamen.
Ortsführer
Hauptfassade und Rosettenfenster13. Jahrhundert
Die Hauptfassade zeigt ein großes, reich verziertes gotisches Rosettenfenster sowie ein schlichtes Portal mit mehreren Archivolten. Flankiert wird das Ensemble von einem frei stehenden Glockenturm – ein Beispiel für die frühe gotische Gestaltung.
Innenraum mit Kirchenschiff und Säulen13. Jahrhundert
Der Innenraum wirkt schlicht, im Kontrast zur detailreichen Außenwirkung – und macht so den architektonischen Stil der Epoche besonders deutlich. In der Kirche befinden sich drei Seitenschiffe mit spitz zulaufenden Bögen, die auf Säulen ruhen, denen Kapitelle fehlen. Darüber liegt ein hölzernes Dach; das spiegelt die Schlichtheit der Bettelordensgotik wider.
Hauptchor und gotisches Kreuzrippengewölbe13. Jahrhundert
Der Hauptchor ist mit einem gotischen Kreuzrippengewölbe überdeckt – ein Kennzeichen der gotischen Architektur. Es bietet sowohl statische Unterstützung als auch einen besonderen ästhetischen Reiz.
Polychromierte Statue von Maria mit dem KindAnfang des 16. Jahrhunderts
Eine polychromierte Statue aus dem frühen 16. Jahrhundert am Hauptaltar, die Maria mit dem Kind darstellt. Sie zeigt den Einfluss der Renaissance-Kunst innerhalb der Kirche.
Grabmonument von Diogo Pinheiro1525
Ein Renaissance-Grabmonument aus dem Jahr 1525, das Diogo Pinheiro, dem ersten Bischof von Funchal, gewidmet ist. Es wird dem Bildhauer João de Ruão zugeschrieben und befindet sich an der Wand des Hauptchors.
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