
Tempel des Neptun (Paestum)
Campania
Der Tempel der Hera II, der allgemein, aber fälschlich, als Tempel des Neptun bekannt ist, ist ein monumentaler griechischer dorischer Tempel in der antiken Stadt Paestum in Kampanien, Italien. Er wurde um 460–450 v. Chr. erbaut, als Paestum seine größte Blüte erlebte, und gilt heute als einer der am besten erhaltenen frühen griechischen Tempel der Welt. Der Tempel ist etwa 24,5 auf 60 Meter groß und verfügt über eine periptere Säulenhalle (Peristyl) mit sechs Säulen an den Schmalseiten und vierzehn Säulen an den Längsseiten – ungewöhnlich ist dabei die Anordnung 6 x 14. Die Säulen sind etwa 8,9 Meter hoch und zeigen eine charakteristische Entasis sowie nach oben hin verjüngte Profile. Auf den großen äußeren Säulen sind 24 Riefen zu sehen – eine Abweichung von den üblichen dorischen Normen. Ursprünglich wurde der Tempel aus lokalem, porösem Kalkstein errichtet und mit gepulverter Marmorverputz beschichtet; sein Stil knüpft an die strenge Ausprägung der griechischen Architektur an. Stilistische Parallelen finden sich etwa zum Tempel des Zeus in Olympia. Die Innenansicht der Cella ist in drei Seitenschiffe unterteilt: Dafür sorgen zwei Reihen mit je sieben dorischen Säulen. Diese sind in zwei übereinanderliegenden Ordnungen angeordnet und verjüngen sich nach oben hin – ein einzigartiges architektonisches Merkmal. Der Tempel war vor allem der Hera geweiht, doch einige Hinweise deuten auf eine mögliche Verehrung von Poseidon und Zeus hin, gestützt durch das Vorhandensein von zwei Altären auf der Ostseite. Auch die Ausrichtung auf einen heiligen, doppelt gipfelnden Berg unterstreicht die religiöse Bedeutung. Dass der Tempel so außergewöhnlich gut erhalten blieb, liegt vor allem daran, dass die Anlage im frühen Mittelalter aufgegeben wurde – und sie dadurch vor umfangreicher Wiederverwendung oder Zerstörung bewahrt blieb. Heute ist er ein UNESCO-Welterbe und ein faszinierendes Zeugnis für die religiöse Architektur und das kulturelle Erbe des antiken Griechenlands.
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Tipp: Die beste Zeit für einen Besuch des Tempels der Hera II ist im Frühling und im Herbst, wenn das Wetter mild ist und die archäologische Anlage weniger besucht wird. Besuchern wird empfohlen, die Tickets im Voraus zu kaufen – besonders in der Hochsaison –, um lange Wartezeiten zu vermeiden. Geführte Touren lohnen sich, um die architektonischen Besonderheiten und den historischen Kontext in vollem Umfang zu verstehen. Für Studierende, Seniorinnen und Senioren sowie Gruppen können Ermäßigungen verfügbar sein. Aufgrund des unebenen Geländes im archäologischen Park wird bequemes Schuhwerk empfohlen.
Interessante Fakten
- •Der Tempel wird oft fälschlich Tempel des Neptun genannt, doch er war vor allem der Hera geweiht.
- •Er besitzt eine ungewöhnliche Säulenanordnung 6 x 14, die vom typischen 6 x 13 Grundriss eines dorischen Tempels abweicht.
- •An den Säulen finden sich 24 Riefen statt der üblichen 20 – das verstärkt ihre visuelle Wirkung.
- •Die Architektur des Tempels beeinflusste die Beschäftigung mit dem dorischen Stil und seine Wiederbelebung während der Grand-Tour-Ära im 18. Jahrhundert.
- •Auf der Ostseite sind zwei Altäre weiterhin sichtbar: einer griechisch und einer römisch – das deutet auf eine fortlaufende religiöse Nutzung hin.
- •Die Ausrichtung auf einen doppelt gipfelnden Berg war in den religiösen Praktiken der antiken Griechen besonders bedeutsam.
Geschichte
Der Tempel der Hera II wurde um 460–450 v.
Chr.
in der Blütezeit der antiken Stadt Paestum errichtet, die damals als Poseidonia bekannt war.
Er entstand knapp nördlich des früheren Tempels der Hera I und spiegelt damit die religiöse und kulturelle Entwicklung der Stadt wider.
Die 6 x 14-Säulenanordnung weicht von dem kanonischen griechischen Muster 6 x 13 ab und wurde durch sizilianische Bautraditionen beeinflusst, die nach den griechischen Siegen in der Region aufkamen.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Ort etwa im 9.
Jahrhundert n.
Chr.
aufgegeben – unter anderem wegen Malaria und Umweltveränderungen –, was ironischerweise zur bemerkenswerten Erhaltung des Tempels beitrug.
Seit dem 18.
Jahrhundert wurde der Tempel wiederentdeckt und intensiv erforscht; in der Zeit des Grand Tour trug er maßgeblich dazu bei, das Interesse an der antiken griechischen Architektur neu zu beleben.
1998 wurde er als UNESCO-Welterbestätte eingetragen und würdigt seinen herausragenden universellen Wert.
Ortsführer
Peristylsäulen (Peristyl colonnade)460-450 BC
Das Äußere des Tempels zeigt eine periptere Säulenhalle mit sechs Säulen an den Schmalseiten und vierzehn Säulen an den Längsseiten. Diese dorischen Säulen sind etwa 8,9 Meter hoch, mit einer charakteristischen Entasis und 24 Riefen – und sorgen so für eine starke visuelle Präsenz.
Innenraum der Cella460-450 BC
Im Inneren ist die Cella in drei Seitenschiffe unterteilt: Zwei Reihen mit je sieben dorischen Säulen teilen den Raum. Die Säulen sind in zwei übereinanderliegenden Ordnungen angeordnet und verjüngen sich nach oben hin. Der Boden besteht aus großen rechteckigen Steinplatten; zudem ist eine deutlich markierte Fläche zu sehen, die auf die wahrscheinliche Position der Kultstatue hinweist.
Altäre auf der Ostseite5th century BC and Roman period
Östlich des Tempels befinden sich zwei Altäre: ein großer ursprünglicher griechischer Altar und ein kleinerer römischer Zusatz, der später errichtet wurde, als eine Straße durch das Gelände gebaut wurde. Die Altäre belegen die religiöse Funktion des Tempels und eine mögliche Weihung an mehrere Gottheiten.
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