
Märjamaa-Kirche
Raplamaa
Die Vigala-Kirche in der Ortschaft Kivi-Vigala in Raplamaa (Estland) ist eine Pfarrkirche mit Anfängen, die mindestens bis in das späte 14. Jahrhundert zurückreichen. Das belegen u. a. eine erhaltene steinerne Grabplatte aus der Zeit von 1390–1400. Die Kirche wurde mehrfach umgebaut; ein bedeutender Erweiterungsbau wurde 1845 abgeschlossen und 1846 geweiht. Die Architektur verbindet historische Elemente, darunter der heute noch genutzte älteste Teil als Sakristei. Der 1933 errichtete Kirchturm dient zugleich als Gedenkmonument für Vigala-Männer, die im 1905er Bauernaufstand, im Ersten Weltkrieg und im Estnischen Unabhängigkeitskrieg ums Leben kamen. Innen beherbergt die Kirche einen Altar und eine Kanzel, die der renommierte estnische Barockbildhauer Christian Ackermann um 1680 geschaffen hat und die zu den feinsten ihrer Art in Estland zählen. Der Altar zeigt zwei Gemälde: Christus am Kreuz und Christus im Garten von Gethsemane. Außerdem gibt es im Inneren ein großes Gemälde vom Letzten Abendmahl sowie eine bemerkenswerte Orgel, die vor Ort als „Tormis-Orgel“ bekannt ist. Die Sakristei, der älteste Bereich der Kirche, bewahrt mittelalterliche Elemente wie ein Tabernakel und ein seltenes Bischofskreuz aus dem 13. Jahrhundert, das heidnische und christliche Bildsprache vereint und die Übergangszeit im religiösen Leben in Estland widerspiegelt. Zudem sind Kirchenfenster aus Glasmalerei von dem Künstler Andrei Lobanov zu sehen, mit stilisierten Motiven aus dem späten 20. Jahrhundert. Die Vigala-Kirche ist bis heute ein bedeutender kultureller und spiritueller Ort in Raplamaa – eine Mischung aus Jahrhunderten religiöser Kunst, Geschichte und Gedenktraditionen.
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Tipp: Besucher sollten überlegen, die Vigala-Kirche in den wärmeren Monaten zu besuchen – dann ist der Zugang leichter und man kann die Atmosphäre des umliegenden Pfarrdorfs genießen. Es empfiehlt sich, die Öffnungszeiten im Voraus über die Website der örtlichen Kirchengemeinde zu prüfen oder direkt nachzufragen, da Gottesdienste und Zugangszeiten variieren können. Die Eintrittskarte ist in der Regel frei, Spenden werden jedoch gern angenommen, um die laufende Erhaltung zu unterstützen. Gelegentlich sind Führungen nach Absprache möglich und geben noch mehr Einblick in die Kunst und Geschichte der Kirche. Der Gedenkturm und die Skulpturen sind besondere Highlights – planen Sie daher etwas Zeit ein, um diese Außenbereiche in Ruhe zu entdecken. Nahegelegene Sehenswürdigkeiten in Raplamaa lassen sich gut für ein Tagesprogramm mit Kultur kombinieren.
Interessante Fakten
- •Der Altar und die Kanzel wurden um 1680 von Christian Ackermann gefertigt und gelten als einige der künstlerisch ausgereiftesten Barockarbeiten in Estland.
- •Der Kirchturm ist zugleich ein Gedenkmonument für Vigala-Männer, die in mehreren historischen Konflikten ums Leben kamen – darunter der Aufstand von 1905 und die Kriege um die estnische Unabhängigkeit.
- •Das Bischofskreuz in der Sakristei vereint heidnische und christliche Bildsprache und spiegelt damit den religiösen Übergang im 13. Jahrhundert in Estland wider.
- •Die Gedenkskulpturen „Soldier“ und „Peasant“ wurden mithilfe einer einzigartigen Steinsbearbeitungsmaschine hergestellt, die der Bildhauer Richard Hammer erfunden hat.
- •1988 war die Vigala-Kirche in ganz Estland die erste, die ihr Denkmal zum Unabhängigkeitskrieg nach Jahrzehnten sowjetischer Unterdrückung wiederherstellte.
Geschichte
Die Anfänge der Vigala-Kirche reichen mindestens bis in das späte 14.
Jahrhundert zurück.
Der früheste Eintrag betrifft einen Priester namens Johannes aus Vigala im Jahr 1339.
Eine datierte steinerne Grabplatte aus 1390–1400 bestätigt, dass die Kirche zu dieser Zeit bereits existierte.
Die Kirche wurde wiederholt neu gebaut und erweitert – besonders 1842, als der örtliche Adelige Boris von Uexküll einen bedeutenden Ausbau vorschlug, der bis 1845 abgeschlossen und 1846 geweiht wurde.
Der 45 Meter hohe Kirchturm, fertiggestellt 1933, dient ebenfalls als Gedenkstätte für die örtlichen Männer, die im 1905er Bauernaufstand, im Ersten Weltkrieg und im Estnischen Unabhängigkeitskrieg ums Leben kamen.
In der Sowjetzeit wurden Gedenktafeln und Skulpturen verborgen, um sie vor Zerstörung zu schützen.
Die Restaurierungsarbeiten begannen 1988, um die historischen Denkmäler und Symbole der Kirche wiederzubeleben.
Ortsführer
Kirchturm und Gedenkmonument1933
Der 45 Meter hohe Turm, erbaut 1933, dient sowohl als funktionaler Kirchturm als auch als Gedenkstätte für die örtlichen Männer, die im 1905er Bauernaufstand, im Ersten Weltkrieg und im Estnischen Unabhängigkeitskrieg ums Leben kamen. Er trägt Skulpturen wie „Soldier“ und „Peasant“ von Richard Hammer, die vor allem wegen ihrer einzigartigen handwerklichen Steinarbeit bemerkenswert sind.
Altar und Kanzel von Christian Ackermanncirca 1680
Um 1680 von Christian Ackermann gefertigt, gelten Altar und Kanzel als Meisterwerke barocker Kunst in Estland. Der Altar zeigt Gemälde von Christus am Kreuz und Christus im Garten von Gethsemane; außerdem beherbergt der Altarraum auch das große Gemälde „The Last Supper“ (Das letzte Abendmahl).
Sakristei (ältester Teil der Kirche)14th century and earlier
Die Sakristei, hinter dem Altar gelegen, ist der älteste Teil der Vigala-Kirche. Hier befindet sich eine mittelalterliche steinerne Grabplatte, ein Tabernakel sowie ein seltenes Bischofskreuz aus dem 13. Jahrhundert mit einer Kombination aus heidnischen und christlichen Symbolen. Dieser Raum wird auch für Wintergottesdienste genutzt und beherbergt Orgeln aus den Jahren 1887 und 2005.