Nikolaikirche und Museum

Nikolaikirche und Museum

Harjumaa

80/10090 min

Die Nikolaikirche in Tallinn, lokal bekannt als Niguliste kirik, ist eine beeindruckende mittelalterliche Basilika, die ursprünglich im 13. Jahrhundert von westfälischen Händlern aus Gotland errichtet wurde. Sie ist dem heiligen Nikolaus, dem Schutzpatron der Fischer und Seeleute, gewidmet und diente zunächst als katholische Kirche, bevor sie während der Reformation lutherisch wurde. Architektonisch besitzt die Kirche die Form einer Basilika mit einem weithin sichtbaren 105 Meter hohen Turm, der sich über die Jahrhunderte von gotischen zu barocken Stilformen entwickelte. Trotz schwerer Schäden durch sowjetische Bombardements im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche sorgfältig restauriert und fungiert heute als Niguliste Museum, eine Zweigstelle des Kunstmuseums von Estland, mit einer reichen Sammlung sakraler Kunst. Zu den Schätzen zählt das berühmte „Danse Macabre“ aus dem späten 15. Jahrhundert von Bernt Notke – eine eindrucksvolle Darstellung der Allgegenwart des Todes. Das Museum beherbergt außerdem den prachtvollen Hochaltar aus dem 15. Jahrhundert aus der Werkstatt von Hermen Rode, mit über dreißig Holzskulpturen sowie detailreichen Gemälden, die Szenen aus dem Leben von Heiligen und religiöse Bildmotive zeigen. Neben ihrer historischen und künstlerischen Bedeutung ist die Kirche vor allem wegen ihrer hervorragenden Akustik bekannt und veranstaltet regelmäßig Konzerte – ein spannender Mix aus kulturellem Erbe und lebendigem zeitgenössischem Gebrauch.

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Tipp: Besucher sollten Tickets nach Möglichkeit im Voraus kaufen, um Wartezeiten zu vermeiden – besonders in der Sommer-Hochsaison. Am ruhigsten ist es unter der Woche am Morgen oder am frühen Nachmittag. Das Museum bietet Ermäßigungen für Studierende, Senioren und Gruppen. Da die Kirche auch als Konzertsaal dient, empfiehlt sich ein Blick in den Veranstaltungskalender, um den Besuch an musikalische Aufführungen anzupassen. Informationen zur Barrierefreiheit und Anfahrtswege finden sich auf der offiziellen Website.

Interessante Fakten

  • Der Turm der Kirche ist 105 Meter hoch und gehört damit zu den höchsten mittelalterlichen Bauwerken in Tallinn.
  • Das Gemälde „Danse Macabre“ von Bernt Notke ist ein seltenes erhaltenes Beispiel für dieses mittelalterliche Motiv und war ursprünglich 30 Meter breit.
  • Der Hochaltar, geschaffen zwischen 1478 und 1481, ist einer der größten erhaltenen Altaraufsätze aus der Zeit der Hanse in Norddeutschland.
  • Die Kirche war die einzige in Tallinn, die sich während der protestantischen Reformation gegen bilderstürmerische Angriffe wehrte, indem sie flüssiges Blei in die Schlösser goss.
  • Nach den Bombardements im Zweiten Weltkrieg rauchte der Turm der Kirche etwa einen Monat lang – bedingt durch Feuerschäden.

Geschichte

1230

Die Nikolaikirche wurde zwischen 1230 und 1275 von Kaufleuten aus Gotland erbaut und diente zunächst vor allem defensiven Zwecken: mit befestigten Eingängen und Versteckmöglichkeiten.

Im 14.

Jahrhundert, als die Stadtmauern von Tallinn fertiggestellt waren, wandelte sie sich zu einer typischen mittelalterlichen Pfarrkirche.

1405

Die heutige Basilikaform entstand zwischen 1405 und 1420 – der Turm wurde erhöht und 1515 mit einer spätgotischen Turmspitze geschmückt; später wurde sie durch eine barocke Spitze ersetzt.

Bemerkenswerterweise überstand die Kirche die Bilderstürmerei während der protestantischen Reformation, indem sie ihre Türen mit flüssigem Blei sicherte.

1944

Im Jahr 1944 erlitt die Kirche schwere Schäden durch die sowjetische Bombardierung und verlor dabei einen Großteil ihres Innenraums, wurde jedoch von 1953 bis 1981 restauriert.

1982

Ein Brand 1982 beschädigte den Turm erneut, doch durch die Wiederherstellung konnte sie 1984 als Museum und Konzertstätte wiedereröffnet werden.

Ortsführer

1
„Danse Macabre“ von Bernt NotkeSpätes 15. Jahrhundert
Bernt Notke

Ein Gemälde aus dem späten 15. Jahrhundert, das den Totentanz zeigt und die Unausweichlichkeit des Todes für alle gesellschaftlichen Schichten verdeutlicht. Von dem ursprünglichen, 30 Meter breiten Werk ist nur ein Fragment erhalten – das prominent in der Kirche ausgestellt ist.

2
Hochaltar aus der Werkstatt von Hermen Rode1478–1481
Werkstatt von Hermen Rode

Ein großartiger Altar aus Norddeutschland, geschaffen zwischen 1478 und 1481, mit über dreißig Holzskulpturen und bemalten Tafeln. Dargestellt sind das Leben von Saint Nicholas und Saint Victor sowie Kirchenväter und die Gründer religiöser Orden.

3
Kirchturm und Turmspitze1515 (Spitze), späteren Umbauten bis zur Barockzeit

Ursprünglich wurde der Turm 1515 höher gebaut – mit einer spätgotischen Turmspitze. Später wurde er verstärkt und mit einer barocken Turmspitze gekrönt, die luftige Galerien besitzt. Der Turm erreicht eine Höhe von 105 Metern und ist ein Wahrzeichen von Tallinn.

4
St.-Antonius-Kapelle

Eine Kapelle innerhalb der Kirche, die den Brand durch die Bombardierung im Zweiten Weltkrieg überstand und so im Gegensatz zum Rest der Kirche einige ursprüngliche Elemente des Innenraums bewahrte.

Kontakt

Telefon: 631 4330