Benediktinerinnenkloster St. Johann

Benediktinerinnenkloster St. Johann

Graubünden

85/10090 min

Das Benediktinerinnenkloster St. Johann in Val Müstair, Graubünden (Schweiz) ist ein beeindruckendes frühmittelalterliches Kloster, das um 780 gegründet wurde, möglicherweise unter der Schirmherrschaft Karls des Großen. Berühmt ist es vor allem für seine herausragende Sammlung karolingischer Kunst – darunter ausgedehnte Freskenzyklen, die eine Verbindung römischer, christlicher und germanischer Kunsttraditionen zeigen. Zum Klosterkomplex gehören die originale karolingische Kirche mit fünf Apsiden, die zweigeschossige Heiligkreuzkapelle – Heimat des ältesten hölzernen Deckenbaus Europas – sowie die Doppelkapelle von St. Ulrich und St. Nikolaus. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich das Kloster baulich weiter: große Ausbauten in den Jahrhunderten 10. bis 12. und die Hinzufügung gotischer Elemente wie der Netzgewölbe. Die Umwandlung von Mönchen zu Nonnen erfolgte im 12. Jahrhundert; seither bewahrte das Kloster seine religiöse und kulturelle Bedeutung. Die Fresken, die im 20. Jahrhundert wiederentdeckt wurden, nachdem sie unter späteren baulichen Veränderungen verborgen gewesen waren, gehören zu den wichtigsten erhaltenen Beispielen karolingischer Renaissancekunst. Das Kloster spielte zudem eine historische Rolle im Schwabenkrieg von 1499. Heute ist es weiterhin ein lebendiges Kloster und UNESCO-Welterbestätte – und bietet Besuchern einen einzigartigen Einblick in das mittelalterliche Klosterleben und die Kunst.

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Tipp: Besucher sollten ihre Reise in den wärmeren Monaten planen, damit der abgelegene alpine Ort leichter erreichbar ist. Es wird empfohlen, geführte Touren im Voraus zu buchen, um die umfangreichen Fresken und die historischen Bauwerke in vollen Zügen zu erleben. Das Kloster bietet ein Museum im Plantaturm, mit Touren unter fachkundiger Leitung, die 1200 Jahre seiner Geschichte beleuchten. Gegebenenfalls gibt es Ermäßigungen für Gruppen oder an besonderen Veranstaltungstagen. Übernachtungen im Gästehaus des Klosters sorgen für ein ruhiges Erlebnis des Klosterlebens – und lokale Unterkünfte wie das nahegelegene Hotel Chasa Chalavaina bieten weitere Möglichkeiten für Gastlichkeit.

Interessante Fakten

  • Die Heiligkreuzkapelle besitzt den ältesten hölzernen Deckenbau Europas, dendrochronologisch auf das 8. Jahrhundert datiert.
  • Die Fresken des Klosters vereinen römische, christliche und germanische Stilrichtungen und zeigen biblische Szenen sowie karolingische Herrscher.
  • Der Schwabenkrieg – ein Schlüsselkonflikt zwischen den Habsburgern und der Schweizerischen Eidgenossenschaft – begann 1499 an diesem Kloster.
  • Die Fresken waren jahrhundertelang unter gotischen Gewölben verborgen und wurden erst im 20. Jahrhundert wiederentdeckt.
  • Die Doppelkapelle von St. Ulrich und St. Nikolaus zeichnet sich durch frühbarocke Dekoration aus: Sgraffito-Rahmen und Stuckengel.

Geschichte

Das Benediktinerinnenkloster St.

780

Johann wurde um 780 gegründet, vermutlich unter dem Einfluss bzw.

den Anordnungen Karls des Großen.

Es gehörte damit zu einer Welle von Klostergründungen, die darauf abzielten, christliche Bildung und Stabilität im fränkischen Reich zu fördern.

881

Anfangs stand das Kloster unter der Kontrolle des Bischofs von Chur (ab 881) und erfuhr in den Jahrhunderten 10.

bis 12.

bedeutende Erweiterungen – darunter der Bau eines Kirchturms und der bischöflichen Residenz.

1167

Die Umstellung von Mönchen zu Nonnen erfolgte vor 1167 und markierte einen einschneidenden Wandel in der Gemeinschaft.

1499

Am Schwabenkrieg von 1499 war das Kloster beteiligt: Truppen der Habsburger plünderten das Tal, wurden jedoch von den Schweizer Kräften zurückgeschlagen.

1983

Seit 1983 wird die Stätte als UNESCO-Welterbe für ihre außergewöhnliche karolingische Kunst und Architektur anerkannt.

Ortsführer

1
Klosterkirche (Monastic Church)8th century

Das Herzstück der Abtei: ursprünglich um 775 als schlichte Saalkirche mit drei Apsiden errichtet, später zu einer Fünf-Apsiden-Anlage erweitert – mit nördlichem und südlichem Seitenschiff. Hier befinden sich die berühmten karolingischen Freskenzyklen, die im 20. Jahrhundert wiederentdeckt und restauriert wurden. Sie zeigen religiöse und königliche Bildmotive in einer Mischung aus römischen, christlichen und germanischen Stilen.

2
Heiligkreuzkapelle (Holy Cross Chapel)8th century

Eine zweigeschossige Kapelle unweit des Eingangs zum Friedhof. Besonders auffällig sind die rundbogigen blinden Nischen sowie der kleeblattförmige Chor aus dem 8. Jahrhundert. Im oberen Stockwerk befindet sich die älteste Holdeckenanlage Europas. Das untere Geschoss diente seit dem 16. Jahrhundert als Ossuar, während die obere Ebene vermutlich als Totenkapelle genutzt wurde.

3
Nonnenempore (Nuns' Gallery)Late 15th century
Abbess Angelina Planta

Diese gewölbte Empore wurde zwischen 1488 und 1492 von Äbtissin Angelina Planta erbaut. Sie überblickt das Kircheninnere von Westen aus. Gestützt wird sie von drei Bögen; zudem besitzt sie ein durchbrochenes Geländer mit kunstvollen Stuckmotiven – darunter Rosetten und Motive, die an Fischblasen erinnern. Die Chorstühle wurden 1948 neu gestaltet: Ein mittlerer Sitz ist mit einer Nachbildung des Gemäldes „Madonna della Misericordia“ aus Rom verziert.

4
Doppelkapelle St. Ulrich und St. Nikolaus (Double Chapel)11th century

Eine frühe barocke Doppelkapelle, erkennbar an Sgraffito-Rahmen und schwarz gestrichenen Fenstereinfassungen. Die untere Kapelle, die St. Ulrich gewidmet ist, stammt aus der Zeit um 1035 und zeigt Stuckdekorationen sowie vier figürliche Engelsgestalten im Stil der Antike. Architektur- und Dekorationselemente machen diesen Bereich zu einem bedeutenden mittelalterlichen Sakralraum innerhalb des Klosterkomplexes.

5
Tortürme (Gate Towers)Circa 1500
Christian Greiner

Zwei Tor-Türme aus der Zeit um 1500, die den westlichen Wirtschaftshof abschließen. Außen sind rundbogige Formen zu sehen, innen dagegen spitzbogige Bögen. Der südliche Turm trägt ein Wandgemälde: einen Esel, der Dudelsack spielt – dazu Figuren der Unbefleckten Jungfrau, des St. Benedikt und der St. Scholastika. Entstanden ist das Werk von Christian Greiner im Rokoko-Stil.

Kontakt

Telefon: 081 858 61 89