Rote Kirche von Perushtitsa

Rote Kirche von Perushtitsa

Plovdiv

70/10090 min

Die Rote Kirche liegt nahe Perushtitsa in der bulgarischen Provinz Plowdiw und ist eine große, teilweise erhaltene frühchristliche Basilika aus der Spätantike (frühbyzantinische Zeit). Sie stammt aus dem späten 5. oder frühen 6. Jahrhundert. Wahrscheinlich wurde sie während der Herrschaft von Kaiser Anastasius I. errichtet. Besonders hervorzuheben ist ihre solide Ziegelbauweise – eine Seltenheit unter Kirchen der Spätantike in Bulgarien. Ursprünglich maß die Kirche etwa 32,7 mal 25,9 Meter und verfügte über vier Halbkuppeln, einen Narthex und einen äußeren Narthex. Außerdem gab es eine Taufanlage (Baptisterium) mit einem pinkfarbenen Marmor-Becken (Piscina), das an der nördlichen Wand angebracht war. Innen war sie reich ausgeschmückt mit Mosaiken und Fresken – ein anschauliches Beispiel für den Übergang von der Mosaik- zur Freskendekoration in der frühchristlichen Kunst. Die Rote Kirche diente vermutlich als Märtyrer-Mausoleum und beherbergte die Reliquien eines verehrten Heiligen. Im Laufe der Jahrhunderte wurde sie im Frühmittelalter umgebaut: Seitengänge wurden zugemauert und zusätzliche Freskenschichten ergänzt. Die Ausgrabungen begannen 1915 und wurden 1921 mit internationaler Unterstützung fortgesetzt. Nach einer Stabilisierung der Bausubstanz und einer Renovierung, die vom Europäischen Rat finanziert wurde, öffnete die Anlage 2013 wieder – mit einem Besucherzentrum. Zusammen mit der Hagia Sophia in Sofia und dem Alten Bischofssitz in Nesebar ist sie eine von nur drei erhaltenen Backsteinkirchen aus dieser Zeit in Bulgarien. Sie steht damit für bedeutende architektonische und religiöse Entwicklungen nach dem Mailänder Edikt von 313.

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Tipp: Besucher sollten die Rote Kirche am besten im Frühling oder im frühen Herbst erkunden, wenn das Wetter angenehm ist. Es empfiehlt sich, Tickets im Voraus zu kaufen oder zumindest die Öffnungszeiten vorher zu prüfen – besonders während der Hochsaison. Vor Ort gibt es ein Besucherzentrum mit informativen Ausstellungen. Der Fußweg von der Hauptstraße zur Kirche beträgt etwa 700 Meter; in der Nähe sind Parkmöglichkeiten vorhanden. Für Studierende und Senioren können Ermäßigungen verfügbar sein. Aufgrund der offenen archäologischen Anlage werden bequeme Wanderschuhe empfohlen.

Interessante Fakten

  • Die Rote Kirche ist eine von nur drei erhaltenen Backsteinkirchen aus der spätantiken Zeit in Bulgarien – neben der Hagia Sophia in Sofia und dem Alten Bischofssitz in Nesebar.
  • Der Name der Kirche leitet sich von den markanten roten Ziegeln und dem pinken Mörtel ab, die bei ihrem Bau verwendet wurden – ungewöhnlich für diese Zeit.
  • Im Baptisterium befindet sich eine Piscina mit pinkfarbenem Marmor. Ursprünglich diente sie als römisches Badbecken, bevor sie für christliche Riten umgewandelt wurde.
  • Zu den frühen Fresken gehören seltene apokryphe biblische Szenen wie die Flucht der Elisabeth sowie die Ermordung des Zacharias – die Eltern von Johannes dem Täufer.
  • Man geht davon aus, dass die Kirche die Reliquien eines beliebten christlichen Märtyrers beherbergte und damit zu einem bedeutenden Pilgerziel in der Region wurde.

Geschichte

Die Rote Kirche wurde im späten 5.

bis frühen 6.

Jahrhundert errichtet, wahrscheinlich unter Kaiser Anastasius I.

Zunächst als Märtyrer-Mausoleum erbaut, war sie Teil eines größeren Komplexes, der auch römische Bäder und ein Mithraeum umfasste – ein Spiegel der religiösen Umbrüche in der Region.

Die Kirche war vom 4.

bis ins 14.

Jahrhundert in Nutzung und reich mit Mosaiken und Fresken ausgestattet.

In den 10.

bis 11.

Jahrhunderten wurden Veränderungen vorgenommen: Seitengänge wurden verschlossen und eine zweite Schicht Fresken ergänzt.

1915

Die Ausgrabungen begannen 1915, wurden jedoch durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen und 1921 wieder aufgenommen.

2013

Ein großes Renovierungs- und Stabilisierungsprojekt wurde 2013 abgeschlossen und bewahrte so ein seltenes Beispiel frühantiker Backsteinkirchenarchitektur.

Ortsführer

1
Nördliche Mauer und Baptisteriumspätes 5.–frühes 6. Jahrhundert

Die am besten erhaltene nördliche Mauer ist etwa 14 Meter hoch und umfasst das Baptisterium mit einer pinkfarbenen Marmor-Piscina. So wird die doppelte Funktion der Kirche sichtbar: sowohl Ort für die Taufe als auch für den Gottesdienst.

2
Halbkuppeln und Narthexspätes 5.–frühes 6. Jahrhundert

Die Kirche besitzt vier Halbkuppeln, einen Narthex sowie einen äußeren Narthex (Exonarthex). Das zeigt ein anspruchsvolles architektonisches Konzept, das für die regionalen Kirchen dieser Epoche eher ungewöhnlich ist.

3
Fresken und Mosaike5.–11. Jahrhundert

Obwohl von der Ausschmückung vieles verloren ist, haben sich Fragmente von Mosaiken und Fresken erhalten. Sie zeigen, wie sich die frühchristliche Kunst vom Mosaik hin zum Fresko entwickelte. Einige Fresken werden im Nationalen Historischen Museum in Sofia aufbewahrt.

4
Besucherzentrum und Renovierung2013

Die Anlage umfasst ein modernes Besucherzentrum, das im Zuge der Renovierung von 2013 errichtet wurde. Dabei wurden die hölzernen Gerüste durch Metallträger ersetzt und die Stabilität der Bausubstanz verbessert.